Baby

Haustiere und Babys – kann das wirklich gutgehen?

Die Schweine grunzen in der Dielenecke, die Küken flattern durch die gute Stube und die Kühe warten in einem abgetrennten Bereich des Bauernhauses ungeduldig darauf, auf die Weide gelassen zu werden. Es ist noch keine 100 Jahre her, dass solche Bilder auf kleinen bäuerlichen Gehöften zum Alltag gehörten. Ist es daran gemessen nicht erstaunlich, wie viele Gedanken wir uns heute darum machen, ob Babys und Haustiere überhaupt unter einem Dach zusammenwohnen dürfen?

Doch Naturverbundenheit hin oder her – gerade in der Stadt stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, schon Babys mit Haustieren in Kontakt zu bringen. Denn nicht nur die Zeiten haben sich geändert, auch die menschliche Kondition passt sich an. So beobachten wir gegenwärtig eine extreme Zunahme von Allergien und Unverträglichkeiten, die man vor 100 Jahren wohl noch nicht kannte. Lesen Sie im Folgenden daher,  was Sie beachten sollten, damit das Zusammenleben von Haustieren und Kleinkindern harmonisch verläuft.

 Jenseits von Panikmache oder Ignoranz: Wichtige Überlegungen zum Zusammenleben von Haustieren und Kleinkindern

Für die Halter von Kaninchen, Fischen oder Wellensittichen ist die Frage, wie die Haustiere auf das bald ankommende Baby reagieren werden, eher nebengeordnet. Hunde- und Katzenhalter sollten sich dagegen intensiver mit der Frage befassen, was sich in ihrem und im Leben ihres Haustieres ändern wird, wenn der Alltag von einem Baby bestimmt wird.

Diskussionen mit Freunden und der Familie sind dabei meist von Panik oder, ganz im Gegenteil, von allzu großer Sorglosigkeit geprägt. Während die einen überall Krankheiten, Allergien und Hygieneprobleme sehen und Ängste schüren, das Haustier könne heimtückisch über das kleine Wesen herfallen, winken die anderen ab und sind der Meinung, das seien alles nur Fantasiegeschichten. Ein wenig Dreck habe noch niemandem geschadet, heißt es dann gern. Oder: Wenn ein Hund ein Kind beißt, dann ist immer das Kind schuld.

Wie so oft empfiehlt es sich daher, die Sache ausgewogen und vorurteilsfrei zu betrachten. Folgende Aspekte sollten Sie hierfür einer genauen Prüfung unterziehen:

  • reale Gefahren in Bezug auf Krankheit und Hygiene.
  • Überforderungen durch einen Mangel an Zeit, Platz und Geld.
  • die Gefahr von Eifersucht und Rangstreitigkeiten.
  • Ihre Befähigung, das Tier zu führen und das Kind zu einem angemessenen Umgang mit Tieren zu erziehen.

Risiken kennen und mindern: Allergien, Toxoplasmose und andere Krankheitserreger

Manche Menschen lieben es, wenn ihnen Hund oder Katze durchs Gesicht schlecken. Andere desinfizieren sich nach jedem Kontakt mit einem Tier die Hände. Tatsächlich sind gesunde Haustiere so wenig ansteckend wie jedes andere Lebewesen dieser Welt. Eine wirkliche Gefahr besteht nur, wenn Ihre Katze beispielsweise den Toxoplasmose-Erreger in sich trägt. Die Krankheit kann allerdings auch auf anderem Wege übertragen werden, sodass Sie grundsätzlich mit Ihrem Gynäkologen abklären sollten, welches Risiko besteht. Halten Sie eine oder mehrere Katzen in der Wohnung, so können Sie diese selbstverständlich auch in unserer Tierarztpraxis testen lassen.

Neben der Angst vor Toxoplasmose macht sich häufig die Sorge breit, die Neugeborenen könnten durch das Haustier zu Allergikern werden. Dies wiederspricht jedoch allem, was wir über das Entstehen von Allergien wissen. Das Kind wird nicht zum Allergiker, weil Sie ein Haustier haben. Es bringt diese Allergie als Anlage bereits mit. Der Kontakt mit Tieren ist dann der Auslöser, kann die Allergie aber leider auch verstärken. Sind in Ihrer Familie bereits Allergien gegen Haustiere, Staub oder Milben bekannt, sollten Sie daher besonders aufmerksam auf eventuelle Anzeichen achten und gegebenenfalls mit dem Kinderarzt Rücksprache halten.

Und wie ist es um die Hygiene bestellt? Es dauert einige Jahre, bevor ein neuer Erdenbürger ein Immunsystem entwickelt hat, das es mit den vielfältigen Herausforderungen in der Welt aufnehmen kann. Damit dies gelingt, ist es darauf angewiesen, in einer Umwelt zu leben, in der es sich im genau richtigen Maß mit den vielen kleinen Mikrolebewesen, die uns umgeben, auseinandersetzt. Das Aufwachsen in einer komplett sterilen Welt wäre für Ihr Kind ebenso schädlich wie der Alltag in einer extrem unhygienischen Umgebung.

Achten Sie daher darauf, dass Sie vor allem im ersten Lebensjahr hohe Hygienestandards einhalten – diese beginnen und enden immer mit dem regelmäßigen Händewaschen. Sorgen Sie dafür, dass das Baby mit dem Katzenklo so wenig in Berührung kommt wie mit Würmern oder Zecken. Ist Ihr Haustier gut gepflegt, besteht jedoch kein Anlass zur Panik. Im Gegenteil. Viele Studien belegen, dass gerade der Kontakt mit Haustieren die Herausbildung eines gut funktionierenden Immunsystems fördert.

Sind Sie unsicher, ob Ihr Hund oder Ihre Katze alle erforderlichen Impfungen erhalten hat? Liegt die letzte Wurmkur schon eine Zeitlang zurück? Oder möchten Sie Ihre Katze auf Toxoplasmose testen lassen? Gern beraten wir Sie in unserer Sprechstunde, welche Maßnahmen förderlich sind, damit Haustier und Baby sich unter einem Dach gesund und munter entwickeln.

Das soziale Miteinander regeln

Während sich gesundheitliche Gefahren durch gut gepflegte Haustiere an einer Hand abzählen lassen, nimmt das soziale Miteinander oft einen größeren Spielraum im Zusammenleben von Kindern und Haustieren ein. Im Grunde verhalten sich Haustiere wie Erstgeborene, die ein Geschwisterchen bekommen. Ihre Position und ihre Aufgaben innerhalb der Familie ändern sich. Das muss aber nicht zwangsläufig zu Eifersucht oder Rangstreitigkeiten führen.

Damit Ihr Haustier das Baby von Beginn an akzeptiert, gewöhnen Sie es schon vor dessen Eintreffen an neue Verhaltensregeln. Dazu gehört, dass es im Kinderzimmer nur geduldet wird, wenn ein Erwachsener anwesend ist. Richten Sie ihm zum Ausgleich – falls noch nicht vorhanden – einen eigenen Rückzugsort ein, zu dem das Kind keinen Zutritt hat.

Versuchen Sie jedoch nicht, Kind und Haustier generell voneinander fern zu halten. Beide müssen Kontakt zueinander haben, damit das Zusammenleben funktioniert. Sie können Ihr Haustier vorab auch schon mit dem Geruch des neuen Mitbewohners vertraut machen, indem Sie ihm Kleidungsstücke zum Beschnüffeln geben, die das Neugeborene auf der Säuglingsstation getragen hat.

Die meisten Kinder lieben Haustiere und ausgeglichene Haustiere haben keinen Grund, bissig oder eifersüchtig auf Kinder zu reagieren. Wichtig ist dennoch, dass Sie auch den friedfertigsten Golden Retriever zunächst nicht mit dem Kind allein lassen. Erst, wenn Ihr Kind den Umgang mit einem Haustier erlernt hat und weiß, wie es sich zu verhalten hat, dürfen beide auch mal allein Zeit miteinander verbringen. Das schützt nicht nur Ihr Kind vor der Gefahr, gekratzt oder gebissen zu werden. Es schützt auch den Hamster davor, vor lauter Liebe erdrückt oder zum Opfer frühkindlicher wissenschaftlicher Experimente zu werden.

Sorgen Sie also insgesamt dafür, dass Kind und Haustier einander beständig im geschützten Rahmen begegnen. Erleichtern Sie sich den Alltag aber auch, indem Sie besonders sensible Bereiche durch Trenngitter oder Netze absichern. Versuchen Sie zudem, sich den künftigen Tagesablauf so gut wie möglich zu vergegenwärtigen. Was wird sich verändern und wie können Sie für Ausgleich sorgen?

Hat sich beispielsweise die Schwangere bisher vor allem um die Haustiere gekümmert, so sollte diese Aufgabe nun auch auf den Kindesvater oder eine andere Person übertragen werden. Insbesondere in den ersten Wochen nach der Geburt, sollte sich die Mutter ganz auf sich und das Neugeborene konzentrieren können. Speziell für Alleinerziehende steht daher schon früh die Frage im Raum, wer als Ersatz einspringen könnte.

Doch auch Paare, die zusammenleben und gemeinsam Elternzeit nehmen, werden nun einen veränderten Tagesablauf haben. Planen Sie daher vorausschauend, wie und wann Sie Ihrem Haustier weiterhin ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit schenken können, damit es sich nicht plötzlich als fünftes Rad am Wagen fühlt.

Nicht jeder Traum lässt sich erfüllen: Gründe, sich von einem Haustier zu trennen

Grundsätzlich spricht also nichts dagegen, dass Babys und Haustiere in einem Haushalt zusammenleben. Dennoch kann es vereinzelt angeraten sein, dass Sie sich von einem Haustier trennen. Entscheidend ist hier immer die Frage, was für das Baby und schließlich auch für das Wohl Ihres Tieres das Beste ist.

Akzeptiert Ihr Hund ausschließlich Menschen, die sich als dominant und angstfrei erweisen, ist besondere Vorsicht geboten, wenn ein Säugling ins Haus kommt. Haben Sie einen Hund, der von seinem Vorbesitzer (oder von dessen Kindern) gequält wurde, aufgenommen, kann es ebenfalls sein, dass Sie mit unliebsamen Überraschungen rechnen müssen.

Doch nicht nur das Haustier kann empfindlich auf die neue Situation reagieren. Treten beim Kind Allergien auf oder leidet es unter bestimmten chronischen Erkrankungen, kann es ebenfalls erforderlich sein, dass Sie auf ein Haustier verzichten. Gleiches gilt, wenn die finanzielle, zeitliche oder räumliche Belastung zu groß wird. Und auch Kinder, die mit Haustieren aufgewachsen sind, entwickeln zuweilen diffuse Ängste, ohne dass es einen ersichtlichen Grund dafür gibt.

Bemerken Sie also, dass sich das Zusammenleben nicht in der gewünschten Weise entwickelt, muss das nicht daran liegen, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Wagen Sie dann den Schritt, auf ein Haustier zu verzichten, so schwer es auch fällt.