Schwangerschaftsrisiko durch Toxoplasmose

Schwangerschaftsrisiko durch Toxoplasmose?

Ich bin schwanger und habe eine Katze als Haustier – muss ich sie nun weggeben? Wie gefährlich ist eine Ansteckung mit Toxoplasmose durch Katzen und wie kann ich eine Ansteckung vermeiden? Schwangere befinden sich in einer besonders sensiblen Lebensphase und möchten alles tun, um das ungeborene Kind zu schützen. Was Sie über eine Toxoplasmose wissen sollten und wie es um das Risiko einer Ansteckung sowie vorbeugende Maßnahmen bestellt ist, erklären wir in diesem Beitrag.

Was ist eine Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die überwiegend von Katzen übertragen wird. Die Krankheitserreger (Toxoplasma gondii) können von Tieren auf andere Tiere und Menschen und von Menschen auf Tiere übergehen. Als Haupt- beziehungsweise Endwirt gilt jedoch die Katze, der Mensch fungiert als Fehlwirt , der die Erreger aufnimmt durch

  • den Verzehr von rohem Fleisch oder ungewaschenem Obst und Gemüse.
  • die Reinigung des Katzenklos.
  • den Kontakt mit kontaminiertem Erdboden – beispielsweise bei der Gartenarbeit.

 

Ansteckungshäufigkeit und Symptome

Die Infektion mit Toxoplasmose-Erregern ist häufig, die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mensch infiziert hat, nimmt um etwa 1 % pro Lebensjahr zu. Doch stellt die Infektion an sich für gesunde Menschen und Tiere zumeist keine Bedrohung dar, vielfach wird sie nicht einmal bemerkt, da keine Symptome auftreten müssen. Auf eine Ansteckung folgt zudem in der Regel eine Immunisierung. Haben Tier oder Mensch die Krankheit also einmal komplikationslos durchlebt, bilden sich Antikörper, die vor einer weiteren Ansteckung schützen.

Im Gegensatz zum Verlauf beim gesunden Menschen können bei Personen, deren Immunsystem bereits besonderen Belastungen ausgesetzt ist, jedoch gefährliche Symptome auftreten. Dies gilt insbesondere auch für Embryonen ab der 6. Schwangerschaftswoche und für den Fötus bis zur Geburt, da eine akute Infektion sich von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen kann.

Symptome für eine Infektion bei Katzen sind selten, es können aber folgende Begleiterscheinungen auftreten:

  • Durchfall,
  • leichtes Fieber,
  • Anschwellen der Lymphknoten,
  • Erkrankungen der Atmungsorgane (Husten, Atemnot).

 

In schweren Fällen sind auch die Augen, Herz- oder Skelettmuskulatur betroffen oder es treten eine Gelbsucht oder Enzephalitis auf. Handelt es sich um eine chronische Toxoplasmose, lassen sich zusätzlich beispielsweise Krämpfe oder Gangstörungen beim Tier beobachten.

Symptome beim Menschen

90 % der mit Toxoplasmose infizierten Menschen bemerken überhaupt keine Symptome. Bei den übrigen 10 % kann es zu leichten und vereinzelt zu schweren Symptombildungen kommen. Zu den leichteren Symptomen gehören

  • Schwindelgefühle,
  • Müdigkeit,
  • leichtes Fieber,
  • Lymphknotenschwellungen

 

Nur in schwierigen Fällen und insbesondere beim Auftreten der Infektion während der Schwangerschaft muss überhaupt eine Behandlung erfolgen.

 

Risiko in der Schwangerschaft – wie hoch ist die Gefahr und worin besteht sie?

Schwangere, die selbst Katzen halten, sind oft verunsichert, ob sie ihre Katze nun weggeben oder zumindest den Kontakt vermeiden müssen. Eine Gefahr besteht in der Regel nur, wenn bisher kein Nachweis von Antikörpern erbracht werden konnte, wenn vor der Schwangerschaft also keine Infektion aufgetreten ist. Der Nachweis erfolgt über einen Bluttest.

Wirkliche Gefahr besteht also allenfalls bei Schwangeren, die noch keine Infektion durchgemacht haben oder bei denen sich eine sekundäre Infektion einstellt. Das Risiko ist gering, zumal sich die Infektion auch nicht automatisch aufs Kind überträgt. Es besteht also kein Grund zur Panik – dennoch sollte die Ansteckungsgefahr auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn wenn es zu einer Infektion kommt, können die Folgen gravierend sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine akute Infektion von der Mutter aufs Kind übertragen wird, steigt mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft an. Im ersten Drittel liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 15 %, im letzten bereits bei 65 %. Umgekehrt gilt allerdings auch: Je weiter das Kind im Mutterleib bereits entwickelt ist, desto seltener treten schwerwiegende Komplikationen auf. Vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft ist die Gefahr demnach besonders hoch, dass es zu Schädigungen von Hirn oder Organen kommt oder dass eine Fehlgeburt auftritt, wenn bei der Mutter eine Toxoplasmose vorliegt, die sich aufs Kind überträgt.

Diagnose und Vorsorge

Die Diagnose einer akuten Toxoplasmose erfolgt bei Katzen über eine Kotuntersuchung. Ob bereits eine Infektion vorlag und sich Antikörper herausgebildet haben, wird wie beim Menschen über eine Blutuntersuchung festgestellt. Liegt eine Erkrankung vor, erfolgt gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung von Tier und Mensch.

Sind bei einer Schwangeren zu Beginn der Schwangerschaft keine Antikörper feststellbar, wird eine regelmäßige Kontrolle beim Gynäkologen empfohlen.

Darüber hinaus können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, um eine Ansteckung während der Schwangerschaft zu verhindern. Um sich Sicherheit zu verschaffen, ob Ihre Katze bereits Antikörper herausgebildet hat, stellen Sie diese in unserer Praxis zur Blutuntersuchung vor.

Da eine Übertragung aber eben auch über andere Tiere oder über Nahrungsmittel und Verunreinigungen erfolgen kann, sollten Sie während der Schwangerschaft folgende Ratschläge beherzigen:

  • Lassen Sie das Katzenklo täglich mit heißem Wasser reinigen.
  • Verfüttern Sie kein rohes Fleisch an Ihre Katze, stellen Sie stattdessen auf Dosenfutter um.
  • Vermeiden Sie selbst während der Schwangerschaft den Verzehr von rohem oder medium gebratenem Fleisch. Trennen Sie Schneidebretter in der Küche, die für die Zubereitung von rohem Fleisch benutzt werden, von anderen Schneidebrettern und achten Sie nach der Benutzung auf eine gründliche Reinigung.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich vor dem Verzehr.
  • Tragen Sie bei der Gartenarbeit Handschuhe und waschen Sie sich bei Kontakt mit Erdboden oder Sand (zum Beispiel auf Spielplätzen) gründlich die Hände.

 

Gern beraten wir Sie in unserer Praxis auch persönlich zu diesem Thema und nehmen die erforderlichen Untersuchungen oder Therapien an Ihrer Katze vor.