Hund

Tierarztrechnungen – zu teuer, zu günstig oder einfach nur angemessen?

Dass Mediziner und Anwälte ihre Gebühren nicht nach Lust und Laune berechnen, sondern sich an die vom Gesetzgeber erlassenen Verordnungen zu halten haben, ist den meisten Menschen bekannt. Wenn es um den Besuch beim Tierarzt geht, gibt es jedoch immer wieder Spekulationen darüber, wie sich die Gebühr für eine Behandlung zusammensetzt. Da werden dann rasch unzulässige Vergleiche gezogen, beispielsweise zwischen der ländlichen Tierarztpraxis und der Spezialklinik inmitten in der Großstadt.

In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, wie sich die Gebühren für Ihre Tierarztrechnung zusammensetzen und welche Änderungen der Gesetzgeber im Februar 2020 in Kraft gesetzt hat.

Wie berechnet ein Tierarzt seine Gebühren?

Tierärzte sind verpflichtet, ihre Leistungen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (kurz: GOT) abzurechnen. Diese wurde 1981 beschlossen und wird seitdem immer mal wieder angepasst – die letzte entscheidende Änderung erfolgte im Februar 2020.

Abgerechnet werden Honorare, Auslagen, Entgelte für Arzneimittel, Laboruntersuchungen sowie für Verbrauchsmaterialien. Auf den Rechnungsbetrag werden dann noch 19 % Mehrwertsteuer erhoben, die also nicht zu den Einnahmen des Tierarztes zählen, sondern an das Finanzamt gehen. Tierärzte können von den gesetzlich festgesetzten Gebühren das Ein- bis Dreifache berechnen, „unterbieten“ dürfen sie diese Gebühren jedoch nicht.

Dafür gibt es einen einfachen Grund: Jede Praxis, sei es die Ihres Hausarztes oder eben Ihres Tierarztes, muss nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit geführt werden. Wer ständig für Gebühren arbeitet, die nicht einmal die Fixkosten decken, handelt unwirtschaftlich und damit auch verantwortungslos gegenüber seinem Personal wie gegenüber allen, die auf die Dienste einer Tierarztpraxis angewiesen sind. Verhindert wird auf diese Weise zudem, dass kleine Tierarztpraxen durch „Dumpingpreise“ solventerer Praxen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Warum gibt es für ein und dieselbe Leistung unterschiedliche Gebühren?

Warum aber können Ärzte und Tierärzte selbst entscheiden, ob sie das Einfache oder das Dreifache einer Gebühr berechnen? Wäre es für den Tierbesitzer nicht besser, er könnte sich auf feste Pauschalen verlassen?

Die Frage erscheint auf den ersten Blick berechtigt. Um zu verstehen, warum die Gebührenordnung hier Spielräume lässt, ist es wichtig, sich Folgendes zu verdeutlichen:

So wie sich die Wohnungsmieten von Ort zu Ort unterscheiden, so differieren auch die Mieten oder Kaufpreise, die für eine tierärztliche Praxis zu entrichten sind. Schon die Wahl des Ortes entscheidet also darüber, welche Einnahmen eine tierärztliche Praxis erwirtschaften muss. Weitere Faktoren, die darüber bestimmen, sind

  • Anschaffung von Spezialgeräten,
  • Beschäftigung von Spezialisten,
  • Unterscheidung zwischen einer Praxis, die ausschließlich eine ambulante Behandlung im Rahmen der Sprechstunde anbietet, und einer Klinik, die auch eine stationäre Behandlung ermöglicht.

Hinzu kommt, dass jedes Tier wie auch jeder Menschen einer individuellen Behandlung bedarf. Daher spielen die Schwierigkeit einer erbrachten Leistung und der dafür erforderliche Zeitaufwand ebenfalls eine Rolle für die Berechnung der Gebühren.

Falls Sie also im Gespräch mit einem anderen Tierhalter feststellen, dass Sie für die (vermeintlich!) gleiche Leistung unterschiedliche Gebühren bezahlt haben, hat Ihnen Ihr Tierarzt nicht zu viel oder zu wenig berechnet. Er hat die Gebühr nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse und des Schwierigkeitsgrades ermittelt.

Aus eben diesem Grund sieht der Gesetzgeber übrigens auch vor, dass die abgerechneten Gebühren in begründeten Fällen den Dreifachsatz überschreiten dürfen. Dafür muss jedoch vor der Behandlung eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Tierbesitzer und dem Tierarzt geschlossen werden.

Angemessene Vergütung für ein Mehr an Leistungen

Wenn es also von außen auch so aussehen mag, als würde jeder Tierarzt eigene Honorare und Gebühren berechnen, handelt es sich aus der Nähe betrachtet, um ein transparentes Abrechnungssystem. So beläuft sich der einfache Satz für eine allgemeine Untersuchung von Katze oder Hund inklusive Beratung des Tierhalters beispielsweise auf € 13,47 (Hund) beziehungsweise € 8,98 (Katze). Bei sechs Beratungen pro Stunde zum einfachen Gebührensatz kämen wir also auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von € 67,35. Dass sich davon keine Praxis wirtschaftlich führen lässt, dürfte jedem Tierbesitzer klar sein.

Tatsächlich führen wir in Praxis und Klinik aber eben nicht nur allgemeine Untersuchungen und Beratungen durch, sondern sind auf komplizierte Erkrankungen spezialisiert, führen Operationen durch und betreuen Ihr Tier auch stationär/ teilstationär. Die Liebe und die Leidenschaft, mit der unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieser Aufgabe nachgehen, ist ohnehin unbezahlbar. Aber auch die hierfür benötigten Geräte, Räumlichkeiten und nicht zuletzt natürlich auch die Spezialisten müssen finanziert und angemessen honoriert werden.

Vom Gesetzgeber beschlossen: die neue Notfallgebühr für den tierärztlichen Notdienst

Tierärzte sind wie Humanmediziner dazu verpflichtet, sich an einem Notdienst zu beteiligen. Der tierärztliche Notdienst wird jeweils von montags bis freitags in der Zeit von 20:00 bis 08:00 Uhr gewährleistet.

Speziell für den Notdienst hat der Gesetzgeber nun im Februar eine Neuordnung beschlossen. So sind wir verpflichtet, jedem Tierbesitzer, der den Notdienst aufsucht, eine Grundgebühr in Höhe von € 59, 50 (inklusive Mehrwertsteuer) zu berechnen. Darüber hinaus muss mindestens das Zweifache der jeweiligen Gebührensätze in Rechnung gestellt werden. Die Notdienstgebühr wird bereits ab 18:00 Uhr von jedem Tierarzt erhoben, es sei denn, er bietet in den Abendstunden regulär eine Sprechstunde an.

 In unserem Fachtierarztzentrum mit angeschlossener Tagesklinik sind wir zu solchen erweiterten Sprechstunden für Sie erreichbar. Sie können Ihr Tier also  montags bis freitags von 07:30 bis 19:30 Uhr und samstags wie sonntags von 10:00 bis 12:00 für eine Behandlung in der Sprechstunde anmelden.

Die Notdienstgebühr wird daher nur fällig, wenn Sie unsere Notfall-Sprechstunden wahrnehmen, nämlich

  • montags bis freitags von 19:30 bis 21:30 Uhr,
  • samstags von 12:00 bis 15:00 Uhr oder
  • sonn- und feiertags von 10:00 bis 15:00 Uhr.

 

Achtung! Während der Umsetzung der Massnahmen  im Rahmen der „COVID19-Pandemie“ weichen die Öffnungs- und Notdienstzeiten ab! Bitte informieren Sie sich hierzu über die aktuellen Bekanntmachungen in der Praxis oder auf der Homepage!

Natürlich verstehen wir, dass es nicht jedem Tierbesitzer leichtfällt, eine solche Notfallgebühr zu entrichten. Sie ist dennoch leider notwendig, da sich im tierärztlichen Notdienst dasselbe Problem zeigt wie in der Humanmedizin: Der Notdienst wird zu häufig für Behandlungen in Anspruch genommen, die nicht ausreichend dringlich sind.

Transparente Beratung, liebevolle und sachkundige Behandlung: Ihr Vetaria Fachtierarzt-Zentrum

Haben Sie weitere Fragen zu einer tierärztlichen Behandlung oder möchten Sie sich vorab darüber informieren, welche Gebühren für eine Untersuchung oder eine Operation zu entrichten sind? In unserem Fachtierarzt-Zentrum Vetaria beraten und informieren wir Sie stets gründlich und transparent.

Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir aus den oben genannten Gründen keine Kostenvoranschläge erstellen können. Jedes Tier ist anders und somit auch jeder Krankheitsverlauf sowie die erforderliche Diagnostik und Therapie. Damit Sie Ihrem Tier in jedem Fall die bestmögliche Behandlung zukommen lassen können, empfehlen wir daher den frühzeitigen Abschluss einer Tierkrankenversicherung.

Alles Weitere besprechen wir gern persönlich mit Ihnen in unserer Sprechstunde. Vereinbaren Sie einfach telefonisch Ihren nächsten Termin!