Haustiere

Welches Haustier ist das richtige für uns?

Mitarbeiter von Tierheimen können ein trauriges Lied davon singen: Einige Wochen nach Weihnachten beginnt alljährlich die Zeit, in der vermehrt Haustiere ausgesetzt werden. Die Gründe sind vielfältig, laufen aber auf eine Ursache hinaus: Die Anschaffung des Tieres war nicht gut überlegt oder mit dem Beschenkten nicht abgesprochen. Die Haltung erweist sich als anstrengend, kostspielig oder zeitaufwendig und so richtig schmusen möchte das Haustier auch nicht.

Planen Sie die Anschaffung eines Haustieres, legen wir Ihnen daher dringend ans Herz, zunächst zu überlegen, was für und was gegen die Anschaffung von Fellnase, Samtpfote oder eines gefiederten Mitbewohners spricht. In diesem Ratgeber haben wir wichtige Aspekte zusammengestellt, die Ihnen helfen, herauszufinden, ob ein Haustier zu Ihrem Lebensstil passt und falls ja, welches.

 

  1. Was verspreche ich mir von einem Haustier?

Es gibt sie, die tiervernarrten Menschen, die keinen weiteren Grund für die Aufnahme eines Haustieres benötigen, als eben die unvoreingenommene Tierliebe. In der Regel aber liegt dem Wunsch nach einem Haustier ein Motiv zugrunde.

Vielleicht gehen Sie leidenschaftlich gern und bei jedem Wetter spazieren und wünschen sich einen treuen Begleiter – dann käme ein Hund infrage. Oder aber Sie arbeiten im Homeoffice, haben wenig Zeit zum Spazierengehen, fühlen sich aber sofort aufgemuntert, wenn Kater Mikesch regelmäßig nach Ihnen schaut. Möglicherweise gehören Sie auch zu jenen Menschen, die finden, dass ein Garten erst perfekt ist, wenn er Kleintiere beherbergt, denen man gern zuschaut und denen man seine Zuneigung schenken kann, auch wenn sie keine ausgeprägten Kuscheltiere sind.

Was ist Ihr Motiv, sich ein Haustier anschaffen zu wollen? Je klarer Sie diese Frage für sich beantworten können, desto besser. Ein Hund kann ein treuer Freund sein, ein Hamster eher nicht. Ein Vogel wird Ihnen etwas pfeifen, wenn Sie mit ihm kuscheln wollen, die Katze wird mal so, mal so reagieren.  Kennen Sie Ihre Erwartungen, vermeiden Sie, das falsche Haustier auszuwählen und letzten Endes eine Enttäuschung zu erleben, wenn das Tier Ihren Wünschen nicht gerecht werden kann.

 

  1. Kann ich das Tier artgerecht halten?

Artgerechte Haltung – auch wenn dieser Begriff in gewisser Weise dehnbar ist, gibt es doch für jede Tierart bestimmte Vorgaben, mit denen Sie sich auseinandersetzen sollten.

Haben Sie ausreichend Platz, damit das Haustier sich bewegen, aber auch mal zurückziehen kann? Haben Sie Lust und Zeit, sich mit den Ernährungsgewohnheiten des Haustieres zu befassen und reicht das Haushaltsbudget dafür aus?

Eine finanzielle Belastung können auch die Anschaffung der benötigten Grundausstattung sowie der ständige Unterhalt von Tieren darstellen: Näpfe und Futter, Körbchen und Decke, Katzenklo oder großer Kaninchenstall, erforderliche Beigaben wie Katzenstreu oder Pellets, Spielzeug und medizinische Behandlung/Impfungen, … da kann im Laufe des Tierlebens schon ein hübsches Sümmchen zusammenkommen. Hundesteuern und eine Versicherung, die sich speziell für Hundehalter empfiehlt, noch gar nicht einberechnet.

Tipp: Informieren Sie sich vor der Anschaffung darüber, was das Haustier auf jeden Fall benötigt – und mit welchen Anschaffungskosten beziehungsweise laufenden Kosten Sie daher rechnen müssen.

 

Einzel- oder Gruppenhaltung?

Zum Thema „artgerechte Haltung“ gehört auch die Frage, ob Sie ein einzelnes Haustier anschaffen oder gleich mehrere. Für einen Hund ist die Einzelhaltung durchaus angemessen – vorausgesetzt, er wird als neues Familienmitglied von allen Hausbewohnern freundlich aufgenommen. Schon bei einer Katze kann dies anders aussehen und wer die Anschaffung von Kaninchen, Meerschweinchen, Vögeln oder Fischen erwägt, sollte immer berücksichtigen, dass es sich um Tiere handelt, die mindestens einen gleichartigen Partner benötigen.

 

Innen- oder Außenhaltung?

Zu guter Letzt stellt sich die Frage, ob Sie das Haustier im Haus oder im Garten halten wollen. Kaninchen und Meerschweinchen können ebenso wie einige Vogelarten gut das ganze Jahr in Außenhaltung verbringen – vorausgesetzt, Stall oder Voliere sind entsprechend geschützt, bieten viel Bewegungsfreiraum  und es macht Ihnen nichts aus, auch im Winter täglich mehrmals nach ihnen zu sehen. Denken Sie aber bitte auch daran, dass speziell Kaninchen eher unter der Sommerhitze leiden als unter leichtem Schneefall – und befassen Sie sich gründlich mit den Bedingungen der Außentierhaltung.

Unabhängig davon, welche Haltung für das ausgewählte Tier am besten ist, kann es zudem immer Situationen geben, in denen Sie improvisieren müssen. Beispielsweise, wenn eines der Kaninchen krank wird, wenn der Sommer zu heiß, der Winter zu kalt ist. Katzenbesitzer kommen speziell im Frühjahr oft in Schwierigkeiten, wenn die ersten Jungvögel schlüpfen und unsichere Flugversuche unternehmen.

Insgesamt sollten Sie sich daher fragen: Kann ich garantieren, dass sich das Haustier bei mir und uns wohlfühlen wird? Bin ich/sind wir bereit und in der Lage, Zeit und Geld zu investieren und uns täglich mit dem Tier zu beschäftigen? Auch dann, wenn es mal stressig wird?

 

  1. Wer kümmert sich um das Tier?

Ob Sie ein Tier verschenken oder sich selbst eines anschaffen wollen – die wichtigste Frage lautet immer: Wer übernimmt die Verantwortung für das Haustier? Ist das Kind, das Sie mit einem Haustier beschenken wollen, dazu schon in der Lage? Falls nicht – erklären sich die Eltern oder größere Geschwister bereit, sich dauerhaft um das Tier zu kümmern?

Denken Sie dabei nicht nur an den Alltag, denken Sie auch an besondere Situationen wie Ferienzeiten, Krankheit oder berufliche Abwesenheit. Wollen Sie Ihr Tier mit in den Urlaub nehmen, kommt momentan am ehesten die Anschaffung eines Hundes infrage, denn viele Anbieter von Ferienunterkünften haben sich bereits auf Hundehalter als Feriengäste spezialisiert, wogegen für Katzen oder Kaninchen eher selten ein Plätzchen bereitsteht. Vögel oder Fische sollten Sie ohnehin besser zu Hause lassen.

Sind Sie beruflich häufig abwesend, auch über mehrere Tage, schaffen Sie bitte nur ein Haustier an, wenn Sie eine absolut zuverlässige „Vertretung“ haben. In diesem Falle empfiehlt es sich, Haustiere auszuwählen, die keine allzu enge Bindung zu „Herrchen“ oder „Frauchen“ eingehen, also beispielsweise Fische oder Kaninchen.

Weniger gut planbar sind natürlich Krankheitstage – denken Sie dennoch darüber nach, wem Sie Ihr Haustier in einem solchen Fall anvertrauen könnten, insbesondere, wenn Sie allein mit Ihrem Tier in einem Haushalt leben. Nehmen Sie beispielsweise frühzeitig Kontakt mit Tierpensionen auf oder machen Sie Ihr Haustier von Beginn an mit einem Tiersitter vertraut, der sich einmal in der Woche darum kümmert und im Ernstfall auch für einen längeren Zeitraum einspringen kann.

 

Lebenserwartung von Haustieren

Den Nachwuchs mit Tieren in Kontakt zu bringen ist ein ebenso schönes wie wichtiges Motiv für die Anschaffung von Haustieren. Dabei wird allerdings häufig nicht bedacht, dass spätestens im Teenager-Alter viele neue Hobbys und Aufgaben hinzukommen, die dazu führen, dass Ihr Kind das Interesse am Haustier verliert. Bedenken Sie daher bei der Anschaffung eines Haustieres auch, welches Alter es erreichen kann. Hauskatzen können zwei Jahrzehnte lang Ihr Begleiter sein, Kaninchen etwa ein Jahrzehnt und Hunde liegen mit dem Durchschnittsalter, das sie erreichen können, etwa in der Mitte.

Mit der Frage nach dem Lebensalter, das ein Haustier erreicht, ist dann auch die Frage verbunden, wie Sie und/oder Ihre Kinder mit Krankheit und Tod Ihres Tieres umgehen. Beides gehört zum Leben dazu und sollte Sie daher nicht davon abhalten, sich für ein Haustier zu entscheiden. Für einige Menschen ist die Vorstellung aber so beängstigend, dass es vielleicht besser wäre, ganz auf einen tierischen Gefährten zu verzichten.

 

Und welches Haustier ist nun das richtige?

Wenn Sie viel im Internet surfen, sind Sie vielleicht schon auf Seiten aufmerksam geworden, die kurze Tests zu dieser Frage anbieten. Wir empfehlen allerdings, die Testergebnisse nicht allzu ernst zu nehmen – sie können vielleicht eine erste Orientierung bieten, sollten aber nicht allein zu einer Entscheidung führen.

An erster Stelle steht daher die Frage, wer für das Tier hauptsächlich verantwortlich sein wird. Hat die Person bereits einen speziellen Wunsch, klären Sie, ob eine artgerechte Haltung möglich ist. Berücksichtigen Sie Kosten und Zeitaufwand, Ferienbetreuung und alles, was Ihr Haustier benötigen wird, um sich wohlzufühlen. Ebenfalls wichtig: Prüfen Sie vorab, ob Sie oder einer Ihrer Mitbewohner eventuell eine Allergie gegen Haustiere oder bestimmte Haustierarten hat.

Haben Sie bisher keine Erfahrung mit der gewünschten Tierart oder sind Sie sich in Ihrer Entscheidung nicht ganz sicher, empfiehlt es sich, zunächst einmal Kontakt mit anderen Tierbesitzern aufzunehmen oder ein Tier in Pflege zu nehmen. Viele Tierbesitzer suchen besonders in der Ferienzeit nach jemandem, dem sie Hund, Katze oder Kaninchen für einen begrenzten Zeitraum anvertrauen können. Auch als Hunde- oder Katzensitter können Sie oder Ihr Kind erste Erfahrungen sammeln und feststellen, ob sich Ihr Zuhause für eine Tierhaltung eignet. Kinder- und Jugendfarmen oder die Mitarbeit im Tierheim bieten ebenfalls die Möglichkeit, verschiedene Haustierarten kennen- und lieben zu lernen.

Denn wenn es für Sie vielleicht auch so geklungen haben mag: Natürlich wollen wir niemandem den Wunsch nach einem Haustier ausreden. Im Gegenteil. Ein Haustier bereichert das Leben in jeder Hinsicht. Nicht immer sind die Gegebenheiten aber entsprechend – weshalb wir den Tieren und Ihnen zuliebe wünschen, dass die Wahl passend ausfällt. Gern bieten wir Ihnen daher auch eine individuelle Beratung in unserer Sprechstunde an.