Haustiere und Scheidung, Welpe

Wem gehört das Haustier?

Rechtliche und menschliche Aspekte bei Trennung und Scheidung

Steht eine Scheidung ins Haus, ist die Situation meist angespannt und emotional aufgeladen. Schon kleine Streitereien können dann das Fass zum Überlaufen bringen. Sind Haustiere vorhanden, bringt dies eine zusätzliche Belastung mit sich, da Tiere von ihren Besitzern in der Regel nicht wie Hausrat betrachtet werden, der sich mehr oder weniger gerecht aufteilen lässt.

Wie findet man einen Standpunkt? Und was sagt eigentlich das Gesetz dazu? In diesem Beitrag informieren wir Sie über die rechtlichen Grundlagen zum Thema „Haustier und Scheidung“.[i] Darüber hinaus möchten wir aber auch das Tierwohl in den Mittelpunkt stellen und Sie auffordern, bei Streitigkeiten einfach mal die Perspektive zu wechseln.

Tiere sind keine Sache, gehören in der Regel aber zum Hausrat

Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird: Tiere sind laut Gesetz keine Sache. Entsprechende Aussagen finden sich im Tierschutzgesetz, dessen ausdrücklicher Zweck es ist, „das Tier als Mitgeschöpf [sowie] dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“.[ii] Und auch in das Bürgerliche Gesetzbuch fand diese Einstellung Tieren gegenüber bereits Eingang, in dem es daher heißt: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.“ [iii]

Dennoch sind Haustiere, um die bei der Scheidung gerungen wird, gesetzlich nicht Kindern oder anderen Unterhaltsberechtigten gleichgestellt. Stattdessen werden sie dem Hausrat zugerechnet, was bedeutet, dass auf sie „die für Sachen geltenden Vorschriften […] anzuwenden“ sind, „soweit nicht etwas anderes bestimmt ist“. [iv]

Wie beim Hausrat ist daher zunächst einmal zu klären, ob eine der beteiligten Personen klar als Besitzer des Tieres zu benennen ist. Dies ist beispielsweise der Fall,

  • wenn das Haustier bereits mit in die Ehe eingebracht wurde.
  • wenn Dokumente/Kaufverträge vorliegen, die auf nur einen der Ehepartner ausgestellt wurden.

Doch schon bei der Frage, ob sich ein Besitzanspruch allein daraus herleiten lässt, dass einer der Ehepartner das Tier gekauft, bezahlt und auf seinen Namen hat eintragen lassen, kann es zu abweichenden Entscheidungen kommen. Und zwar immer dann, wenn der offizielle Besitzer nicht zugleich die Person ist, die sich überwiegend und regelmäßig um das Tier gekümmert hat.

Rein rechtlich stehen Sie also auf der sicheren Seite, wenn Sie beide Ansprüche erfüllen:

  • Sie sind der offizielle alleinige Besitzer des Haustieres.
  • Sie haben sich bis zur Trennung überwiegend um das Tier gekümmert.

Weicht Ihre Situation davon ab und können Sie sich nicht einigen, wem das Tier oder mehrere Haustiere zugesprochen werden sollen, empfiehlt es sich, zunächst einen Anwalt hinzuziehen, um für Klarheit zu sorgen. Alternativ können Sie natürlich den Entscheid des Gerichtes abwarten. Da der Scheidung jedoch in der Regel ein Trennungsjahr vorausgeht, dürfte es in den meisten Fällen besser sein, die Frage, wem das Haustier gehört, schon vorab zu klären.

Darf der Besitzer die Haustiere zurücklassen?

Erheben beide Partner Anspruch auf das Haustier, muss rechtlich geklärt werden, wessen Ansprüche überwiegen. Dabei werden vorrangig Besitzansprüche geklärt, doch kann auch das Tierwohl die Entscheidung begründen.

Wie aber verhält es sich, wenn der Besitzer feststeht, dieser es aber ablehnt, sich um die Tiere zu kümmern? Wenn also beispielsweise Person A zwei Katzen mit in die Ehe brachte, deren Betreuung dem Ehepartner überließ, und die Tiere nach ihrem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung ohne dessen Zustimmung beim Partner zurücklässt?

Wie bei jeder rechtlichen Angelegenheit werden auch in diesem Fall die Einzelheiten zu betrachten sein. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Ansicht, dass Tiere keine Sachen sind, auch dazu führt, dass man sie nicht einfach „zurücklassen“ oder gar aussetzen kann.

So heißt es im Tierschutzgesetz, dass es verboten ist, „ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen“.[v] Der Besitzer bleibt also für sein Tier verantwortlich, auch wenn sich die Lebensumstände drastisch verändert habe. Kann er selbst das Tier nicht mehr versorgen, muss er sich darum kümmern, dass das Haustier eine andere Unterkunft findet, in der es angemessen betreut wird. Hierfür ist selbstredend immer die Zustimmung des neuen Besitzers erforderlich.

Kein Umgangsrecht für Tiere

Haustiere kommen für viele Menschen emotional betrachtet gleich nach den eigenen Kindern. Die Trennung ist daher nicht mit der Aufteilung von Waschmaschine und Geschirrspüler zu vergleichen. So naheliegend der Vergleich sein mag, sieht der Gesetzgeber jedoch kein „geteiltes Sorgerecht“ oder ein „Umgangsrecht“ für Tiere vor. Zwar können sich die Ex-Partner untereinander einigen, dass der leer ausgehende Partner das Tier besuchen oder mit dem Hund spazieren gehen darf. Ein rechtlicher Anspruch auf eine solche Regelung besteht deshalb nicht.

Die Perspektive ändern: Wohin gehört das Haustier?

Bei allem Schmerz, den eine Scheidung und der Verlust eines Haustiers mit sich bringen, finden Sie idealerweise eine Regelung, die das Tierwohl über den Streit stellt. Hierzu kann es angebracht sein, die Perspektive und damit die Fragestellung zu ändern. Fragen Sie nicht: Wem gehört das Haustier? Fragen Sie besser: Wohin gehört das Haustier?

Die Fragestellung bezieht vielfältige Aspekte ein. Dazu gehören:

  • Wird das Tier einen Umzug aus der gewohnten Umgebung gut verkraften?
  • Besteht zu einem der Beteiligten eine besonders enge Bindung?
  • Werden Sie der finanziellen Belastung, die ein Haustier mit sich bringt, auch nach der Scheidung noch gewachsen sein?
  • Werden Sie zeitlich noch in der Lage sein, das Haustier angemessen zu versorgen?
  • Können Sie dem Tier eine Umgebung bieten, die dem bisherigen Stand entspricht?

Wenn Ihre Kaninchen es also gewohnt sind, über eine Wiese zu hoppeln, werden sie dann auch glücklich sein, wenn sie in der neuen Wohnung im Käfig gehalten werden müssen? Haben Sie im neuen Zuhause Platz für eine Voliere oder werden sie noch Zeit für ausgiebige Spaziergänge mit Ihrem Hund haben?

Es ist nicht leicht, sich mit diesen und weiteren Fragen sachlich auseinanderzusetzen. Schließlich betreffen die Antworten nicht allein Ihr Haustier, es geht auch um Ihre Zukunft nach der Trennung. Als erfahrene Tierärzte wissen wir jedoch: Je intensiver Sie die neue Situation beleuchten und je sachlicher Sie damit umgehen, desto rascher wird sie sich für alle Beteiligten zu einer neuen Chance entwickeln.

Haben Sie Fragen zu den Haltungsbedingungen von Haustieren? Sind Sie nach der Trennung umgezogen und suchen Sie nun einen neuen Tierarzt für Ihr Haustier? Dann melden Sie sich einfach zu einem ersten Kennenlerntermin in unserer Praxis an. Wir freuen uns auf Sie und Ihre(n) Begleiter!

[i] Bitte beachten Sie aber, dass es sich hier um einen Ratgeber handelt, der keine fundierte Rechtsberatung ersetzt.

[ii] https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__1.html

[iii] https://dejure.org/gesetze/BGB/90a.html

[iv] ebenda

[v] https://dejure.org/gesetze/TierSchG/3.html