Wenn die Hündin läufig wird …

So unterscheiden Sie Symptome der Läufigkeit von ernsthaften Erkrankungen

Die fruchtbaren Tage einer Hündin müssen nicht zugleich furchtbarsein – in der Regel verlaufen diese ohne größere Beschwerden. Woran aber erkennt man einen „normalen“ Verlauf und wann ist es Zeit, einen Tierarzt aufzusuchen? Im Folgenden geben wir Ihnen einen ersten Überblick über die typischen Symptome, die im Zyklus einer Hundedame auftreten, und klären darüber auf, wann es notwendig sein kann, trotz aller Natürlichkeit der Abläufe einen Termin in unserer Sprechstunde zu vereinbaren.

 

DerZyklus Ihrer Hündin

Für die meisten Hunderassen gilt, dass die erste Läufigkeit oder „Hitze“ im Alter von 6 bis 12 Monaten auftritt. Sobald sich ein Zyklus eingespielt hat, wiederholt sich die Läufigkeit (Östrus) in regelmäßigen Abständen von sechs bis sieben Monaten, also zweimal im Jahr. Doch ist es noch kein Grund zur Beunruhigung, wenn Ihre Hundedame sich etwas Zeit lässt und erst im Alter von zwei Jahren das erste Mal läufig wird. Auch kann es vor allem in den ersten zwei Jahren zu starken Schwankungen bezüglich der Dauer des Zyklus kommen – einige Hündinnen sind schon nach drei Monaten wieder läufig, andere dehnen die Ruhephase etwas aus.

 

1. Symptome beim Einsetzen der präfruchtbaren Phase (Proöstrus  oder Vorbrunst)

Die Läufigkeit beginnt mit dem sogenannten Proöstrus, der umgangssprachlich auch als Vorbrunst bezeichnet wird. Folgende Symptome deuten darauf hin, dass Ihre Hündin sich in dieser Phase befindet:

  • häufiges Urinieren (Setzen von Duftmarken) und Putzen;
  • Absonderung von blutigem Ausfluss;
  • Anschwellen der Vulva/Vagina;
  • Rüden zeigen verstärktes Interesse;
  • die Hündin versucht Rüden durch Bellen oder Schnappen abzuwehren.

 

Dauer: 3 bis 10 Tage

 

2. Symptome beim Übergang in die fruchtbare Phase (Östrus oder Brunst)

Wenn die eigentliche Zeit der Läufigkeit, der Östrus oder die Brunst bzw. Hitze einsetzt, ändern sich die Symptome wie auch das Verhalten Ihrer Hündin:

  • wässriger oder schleimigerheller Ausfluss;
  • Vagina schwillt ab, wird weicher;
  • Annäherung durch Rüden wird akzeptiert, Bereitschaft durch seitliches Wegdrehen der Rute angezeigt.

Dauer: 4 bis 9 Tage

Ihre Hündin ist in dieser Phase fruchtbar, was bedeutet: Sofern Sie keinen Nachwuchs züchten wollen, müssen Sie sie von allen nicht kastrierten Rüden fernhalten. Bedenken Sie dabei: Hunde entscheiden sich nicht für oder gegen eine Schwangerschaft, sie folgen dem Drängen der Natur. Weder Ihre Hundedame noch der Nachbarsrüde sind also plötzlich „böse“, wenn sie ihre gute Erziehung vergessen. Sorgen Sie dafür, dass es zu keiner ungewollten Schwangerschaft kommt, indem Sie Ihre Hündin nicht unbeaufsichtigt draußen herumlaufen lassen und sie auf Spaziergängen (möglichst in Gegenden, in denen wenig andere Hunde anzutreffen sind) an die Leine nehmen.

 

3. Symptome beim Übergang in die postfruchtbare Phase (Metöstrus oder Nachbrunst)

Dass Ihre Hündin die fruchtbare Phase hinter sich lässt, erkennen Sie vor allem daran, dass die Farbe des Ausflusses sich ins Gelbliche wandelt und der Ausfluss schließlich ganz nachlässt. Nach und nach beruhigen sich auch die Rüden wieder, wenn Ihre Hündin in deren Nähe kommt. Unabhängig davon, ob Ihre Hündin trächtig ist oder nicht, steigt nun der Progesteronspiegel an. Was bedeutet: Auch Hündinnen, die nicht schwanger sind, zeigen Symptome, die auf eine Befruchtung hindeuten, bis hin zur Scheinschwangerschaft.

Der gesamte Zyklus einer Hündin dauert etwa drei Wochen, anschließend setzt der Anöstrus ein, also die Ruhephase, in der Sie die gemeinsamen Spaziergänge wieder entspannter genießen können. Vom ersten Tag des Zyklus bis zum Beginn des nächsten vergehen etwa sechs bis sieben Monate. Allerdings gilt auch hier: Jede Hündin ist anders und die Intensität, in der bestimmte Symptome auftreten, unterscheidet sich. Zudem sind die Übergänge fließend. Wollen Sie sichergehen, dass Ihre Hündin nicht trächtig wird, berechnen Sie die Dauer der jeweiligen Phase daher großzügig.

 

Typische Verhaltensänderungen während der Läufigkeit

So unterschiedlich die Ausprägung der körperlichen Symptome während der Läufigkeit von Hündinnen ausfällt, so sehr unterscheiden sich auch die Verhaltensänderungen. Manche Hündinnen wenden sich in dieser Zeit auffällig stark ihrem Herrchen oder Frauchen zu, benötigen extra Streicheleinheiten und Zuwendung. Andere reagieren plötzlich ungewohnt „hitzig“, laufen weg oder ziehen sich zurück.

Gerade bei jungen Hündinnen kann es zudem vorkommen, dass Sie den Eindruck haben, diese würden Schmerzen erleiden oder auf die körperlichen Veränderungen verstört reagieren. Falls Sie nicht sicher sind, ob es sich so verhält, suchen Sie getrost unsere Sprechstunde auf – denn natürlich kann eine Hündin auch während der Phase der Läufigkeit unter Erkrankungen oder anderen Störungen wie beispielsweise an einer Zystenbildung leiden. Auch eine Entzündung oder ein Infekt mit Temperaturanstieg erschweren es dem Tier, diese kleine Lebenskrise unbeschadet zu überstehen. Grundsätzlich dürfen Sie aber davon ausgehen: Die Läufigkeit Ihrer Hündin ist keine Krankheit, sondern ein durch und durch natürlicher Vorgang.

 

Das Problem der Scheinschwangerschaft

Ähnlich verhält es sich bei der häufig zu beobachtenden Scheinschwangerschaft, die in der Nachbrunstzeit auftreten kann. Nicht alle Hündinnen sind davon betroffen – manche dafür aber so stark, dass sie fast schon traumatisiert wirken, wenn der Nachwuchs ausbleibt. Sind Sie sicher, dass Ihre Hündin nicht befruchtet wurde und bildet sie trotzdem starke Symptome aus (Anschwellen der Zitzen, Einschießen von Milch, aber auch auffällige Verhaltensänderungen), suchen Sie am besten unsere Sprechstunde auf, damit wir gemeinsam klären, wie Sie Ihrer Hündin helfen, auch diese kritische Phase gut zu überstehen.

 

Spritzen, Sterilisation oder Kastration – geeignete Mittel gegen Läufigkeit?

Die Läufigkeit Ihrer Hündin können Sie durch die Verwendung von Hormonpräparaten oder durch eine Kastration verhindern. Die Sterilisation dient lediglich der Vermeidung einer Schwangerschaft – in vielen Fällen geht eine Minderung der Östrus-Symptome damit einher, diese werden jedoch nicht gänzlich ausbleiben.

Während das Spritzen von Hormonpräparaten nur in Ausnahmesituationen genutzt werden sollte, kommt eine Kastration für Hündinnen jeden Alters als beste Möglichkeit in Betracht, deren Läufigkeit dauerhaft zu verhindern. Im Gegensatz zu einer „Verhütung“ durch Spritzen sindkeine riskanten Nebenwirkungen abzuwägen, im Gegenteil, die Kastration birgt den zusätzlichen Vorteil, dass das Risiko für ein Auftreten von Gebärmutterkrebs verringert wird.

Als Folge der Kastration zeigt sich bei einigen Hündinnen allerdings ein verändertes Fressverhalten – der Appetit scheint zu steigen. Wie Sie darauf reagieren und wie Sie eine kastrierte Hündin füttern, damit keine unmäßige Gewichtszunahme auftritt, darüber informieren wir Sie vor oder nach dem Eingriff, den Sie in unserer Tierklinik problemlos vornehmen lassen können. Darüber hinaus besprechen wir, ob weitere Veränderungen – wie beispielsweise eine spätere Inkontinenz oder Änderungen in der Haarstruktur – zu erwarten sind und wie Sie eventuellen Problemen vorbeugen können.